Wie die aktuelle politische Lage rund um den Irankrieg zeigt, haben fossile Energieträger wie Heizöl und Erdgas ausgedient und müssen durch zukunftstaugliche Heizsysteme mit erneuerbaren Energieträgern ersetzt werden. Einerseits stärken erneuerbare Heizsysteme die Versorgungssicherheit und sorgen langfristig für stabile Preise, andererseits sind sie eine zentrale Voraussetzung, um die Ziele von TIROL 2050 energieautonom zu erreichen. Die Wahl des passenden Heizsystems hängt stark von individuellen Gegebenheiten des Gebäudes ab. Besonders die Gebäudehülle spielt eine entscheidende Rolle beim Heizungstausch. Mit der richtigen Vorgehensweise lassen sich bis zu 75 Prozent Energie und damit bares Geld sparen. Welche Schritte dabei sinnvoll sind, erklärt Gebäudetechnikexperte MMst. Stefan Streiter beim kostenlosen Online-Infoabend „Die richtige Heizung für mein Zuhause“ der Energieagentur Tirol am Dienstag, 19. Mai 2026.
Erst die Hülle, dann die Heizung
Vor dem Heizungstausch lohnt es sich, die Außenhülle des Gebäudes genauer unter die Lupe zu nehmen und den Zustand von Fassade und Fenstern zu prüfen. Die Gebäudehülle spielt eine zentrale Rolle bei der Wahl des richtigen Heizsystems: Ein saniertes Gebäude mit energieeffizienter Dämmung und modernen Fenstern benötigt deutlich weniger Energie und niedrigere Vorlauftemperaturen als ein unsaniertes Gebäude. Nach der thermischen Sanierung kann ein kleineres Heizsystem ausreichen, wodurch bereits bei der Erstinstallation Kosten eingespart werden. Wird hingegen zuerst ein neues Heizsystem eingebaut, kann dieses überdimensioniert sein, was nicht nur mit einem höheren Energiebedarf, sondern auch mit höheren Kosten einhergeht.
Die Qual der Wahl: Wärmepumpe, Fernwärme oder Biomasse
Ist die Entscheidung für ein erneuerbares System getroffen, stehen verschiedene Optionen, wie etwa Wärmepumpe, Fernwärme oder Biomasse zur Verfügung. Um die passende Lösung zu finden, sollten zunächst die Rahmenbedingungen im eigenen Zuhause geprüft werden. Ein vorhandener Fernwärmeanschluss aus erneuerbaren Energieträgern bietet eine einfach umsetzbare und klimafreundliche Möglichkeit der Wärmeversorgung. Wie jedes System bringt auch Fernwärme spezifische Eigenschaften mit sich, die je nach Situation Vorteile, aber auch Einschränkungen wie begrenzte Anbieter oder fehlende Anschlussmöglichkeiten haben können. Fehlt ein Fernwärmeanschluss, stellt Biomasse eine lokale und nachwachsende Alternative dar. Hackschnitzelanlagen eignen sich besonders für größere Gebäude und hohe Leistungen, während Pelletsheizungen auch für Einfamilienhäuser eine praktikable Lösung bieten. Sie sind vollautomatisiert und eine sinnvolle Nachfolgetechnologie für Heizöl, insbesondere wenn hohe Vorlauftemperaturen über 55 Grad Celsius benötigt werden. Werden Pellets aus nachhaltiger und lokaler Forstwirtschaft verwendet, verursachen sie bis zu 18-mal weniger CO₂ als Heizsysteme mit Erdgas oder Heizöl.
Wärmepumpe: Effizient und emissionsarm
Bei einer Vorlauftemperatur von unter 55 Grad Celsius des aktuellen Heizsystems ist eine Wärmepumpe die effizienteste und umweltfreundlichste Alternative. Wärmepumpen funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie ein Kühlschrank. Allerdings entziehen sie der Umgebung Wärme, welche dann genutzt werden kann, um Gebäude zu beheizen. Es gibt unterschiedliche Arten von Wärmepumpen, die je nach Funktion die Wärme entweder aus dem Grundwasser, dem Erdreich oder aus der Luft beziehen und diese auf das benötige Temperaturniveau „pumpen“. Damit dieser Prozess funktioniert, wird Strom – idealerweise aus erneuerbaren Quellen – zum Betrieb des Kompressors benötigt. Wenn die Wärmepumpe gut funktioniert, ist in etwa ein Viertel der bereitgestellten Wärme an elektrischer Energie für diesen Vorgang notwendig. Drei Viertel der bereitgestellten Wärme kommen aus der Umwelt. Damit ist die Wärmepumpe ist ein zentraler Baustein der Wärmewende.
Ein zusätzlicher Vorteil: Kommt der Strom für den Betrieb der Wärmepumpe aus einer Photovoltaikanlage, lässt sich der Eigenverbrauch des selbst erzeugten Stroms deutlich steigern. Das erhöht die Wirtschaftlichkeit beider Systeme. Eine intelligente Regelung kann diesen Effekt nochmals verstärken. Generell gilt: Mit moderner Datenerfassung und einer smarten Steuerung lässt sich die Effizienz nahezu aller Heizsysteme weiter verbessern.