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Ja zum Wind

Windkraft in Tirol

Robert Gleirscher, BSc
Meteorologe bei der
Energieagentur Tirol

Tirol verfügt über ein bislang unerschlossenes Windenergiepotenzial. Studien zeigen, dass an geeigneten Standorten eine wirtschaftliche Windstromerzeugung möglich ist und Windenergie das bestehende Zusammenspiel von Wasserkraft und Photovoltaik sinnvoll ergänzen kann – besonders in den Monaten, in denen durch die Nutzung von Sonne und Wasser weniger Strom erzeugt werden kann.

Mehr Unabhängigkeit

Die Windkraft hat ihren Hauptertrag in den Wintermonaten und ergänzt damit ideal die saisonalen Schwankungen von Wasser- und Sonnenkraft. Durch den gezielten Ausbau der Windkraft kann nicht nur die Importabhängigkeit reduziert, sondern auch der CO2-Ausstoß nachhaltig gesenkt werden. Windenergie stärkt somit die Versorgungssicherheit, erhöht die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und unterstützt eine klimafreundliche Energiezukunft für TIROL 2050 energieautonom.

Wind im Energiemix

Tiroler Windpotenzial

Das Energie-Zielszenario zeigt vor, wie TIROL 2050 energieautonom erreicht werden kann. Im Zentrum stehen dabei die Sicherstellung einer stabilen Energieversorgung, die Unabhängigkeit von den Energiemärkten sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Ein zentrales Ziel ist die vollständige Deckung des Endenergiebedarfs aus erneuerbaren Energieträgern. 400 Gigawattstunden des jährlichen Strombedarfs in Tirol sollen dabei mit der Nutzung der Windkraft bereitgestellt werden, womit der durchschnittliche Jahresbedarf von mehr als 100.000 Haushalten gesichert werden könnte.

© Wolfgang Hasselmann/unsplash

Standortwahl

Für einen effizienten Betrieb von Windrädern ist ein Windaufkommen von mindestens 5 Metern pro Sekunde im Jahresmittel erforderlich. In Tirol gibt es Standorte, die dieses Kriterium erfüllen. Im Vergleich zu den großflächigen Windkraftregionen im Osten Österreichs oder im Alpenvorland sind geeignete Flächen jedoch deutlich begrenzter.

Ein hohes Windpotenzial haben vor allem exponierte, hochgelegene Kammlagen. Modelle wie der Österreichische Windatlas ermöglichen eine erste Einschätzung potenzieller Standorte. Aufgrund der komplexen Topografie Tirols mit häufig wechselnden Windverhältnissen, Abschattungen, Kanalisierungen und Turbulenzen stößt die Simulation jedoch rasch an ihre Grenzen. Eine verlässliche Standortbewertung ist daher nur durch konkrete Windmessungen möglich.

Neben dem Windaufkommen sind auch infrastrukturelle Aspekte, wie die Erreichbarkeit für Bau und Wartung und die Anbindung an das Stromnetz essenziell. Ebenso sind gesellschaftliche Akzeptanz und naturschutzfachliche Anforderungen zentrale Bestandteile der Projektplanung. Potenzielle Auswirkungen auf sensible Lebensräume und Schutzgebiete werden frühzeitig berücksichtigt und in die Auslegung der Windkraftprojekte integriert, um eine Umsetzung im Einklang mit Natur und Landschaft sicherzustellen. Nicht zuletzt spielt hierbei auch die gesellschaftliche Akzeptanz für die Realisierbarkeit von Windkraftprojekten eine entscheidende Rolle.

Geeignete Standorte werden sorgfältig geprüft

Entscheidend bei der Standortauswahl sind vor allem ökologische, technische und rechtliche Aspekte. Dazu zählen unter anderem die Einhaltung von Schutzgebieten, Abständen zu Siedlungen, Auswirkungen auf Tiere, Landschaft, Lärm und Schattenwurf. Auch technische Faktoren in Bezug auf die Erschließbarkeit und Netzanbindung sind entscheidend. Windmessungen geben Aufschluss über das nutzbare Windaufkommen und damit darüber, ob ein Standort wirtschaftlich betrieben werden kann.

Ab einer Seehöhe von 1.000 Metern ist bei Windkraftanlagen mit einer Leistung ab 15 Megawatt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gesetzlich vorgeschrieben. Unter 1.000 Meter Seehöhe ist diese ab 30 Megawatt nötig. In einer UVP werden die möglichen Auswirkungen des Projekts umfassend untersucht. Dabei werden Effekte auf Menschen, Luft, Wasser und Boden, auf Pflanzen- und Tierwelt sowie deren Lebensräume, auf Klima und Landschaftsbild sowie auf Sach- und Kulturgüter, etwa technische Infrastruktur oder historische Bauwerke, geprüft. Erst wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind, kann eine Genehmigung erteilt werden.

Für Private, Gemeinden und Unternehmen

Lokale Stromerzeugung

Die Entwicklung von Windkraftanlagen von der ersten Analyse bis zur Genehmigung bedarf einer sorgfältigen Vorbereitung. Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die frühzeitige und transparente Einbindung der Bevölkerung. Dabei spielen Gemeinden eine Schlüsselrolle, denn sie kennen die Bedürfnisse vor Ort, und verfügen über funktionierende Strukturen und Erfahrungen aus Energie- und Klimaschutzprojekten. Dadurch können sie die Bevölkerung gemeinsam mit den Projektentwickler*innen faktenbasiert informieren und aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Beteiligung kann viele Formen annehmen – von Informationsveranstaltungen über Stellungnahmen bis hin zur aktiven Mitgestaltung.

Die Energieagentur Tirol unterstützt mit professioneller Beratung für wirksame Beteiligungsprozesse. Während Einsparpotenziale etwa im Gebäude- und Mobilitätsbereich oft ähnlich sind, unterscheiden sich die Möglichkeiten zur Energiegewinnung – gerade bei Windkraft – von Gemeinde zu Gemeinde deutlich. So tragen alle 277 Tiroler Gemeinden in unterschiedlicher Form zum Ziel TIROL 2050 energieautonom bei.

Wie begleitet die Energieagentur Tirol Windkraftprojekte?

Wenn sich ein Windkraftprojekt konkretisiert, helfen unsere Expert*innen, einen klaren Fahrplan zu erstellen. Sie unterstützen bei der Planung eines strukturierten Prozesses, informieren über Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten, klären, wie Beteiligung bestmöglich integriert werden kann, und zeigen auf, wie Synergien mit laufenden Prozessen wie dem e5-Programm genutzt werden können. Ziel ist es, als Gemeinde in eine neutrale, aber gestaltende Rolle zu kommen.

Weiter zum Angebot Orientierung und Prozessberatung Windkraft

Wie gelingt die Kommunikation von Windkraftprojekten?

Eine transparente und ehrliche Kommunikation von potenziellen Windkraftprojekten ist der Schlüssel zur Akzeptanz in der Bevölkerung. Unsere Expert*innen unterstützen Gemeinden in faktenbasierter Öffentlichkeitsarbeit und kommen gerne auch direkt in die Gemeinde: Mit einem Informationsstand bei Veranstaltungen oder einem Vortrag im Plenum erklären sie die Grundlagen der Windkraft, ihre energiepolitische Bedeutung für TIROL 2050 energieautonom, und stehen für Fragen der Bürger*innen  zur Verfügung.

Weiter zum Angebot Kommunikation und Information Windkraft

Welche Basisdaten zu Windkraft brauchen Gemeinden?

Daten und Fakten sind die Grundlage jeder sachlichen Diskussion. Unsere Expert*innen bereiten die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen verständlich auf. Das umfasst Themen wie die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), raumordnungs- und naturschutzrechtliche Fragen. Zudem stellen wir eine gemeindespezifische Einordnung des Windkraftpotenzials als Diskussionsbasis bereit.

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