Tirol verfügt mit seinen über 11.000 Quellen über einen wahren Wasserschatz, der sowohl für die Trinkwasserversorgung, als auch zur Energieerzeugung genutzt wird. Auch Grundwasser spielt, wenn in Tirol auch nur untergeordnet, eine wichtige Rolle als Trinkwasserressource und kann ein wesentliches Versorgungsstandbein in Gemeinden sein. Um das Tiroler Grundwasser besser zu verstehen helfen Grundwasserschichtenpläne sowie die Untersuchung von Großquellen - die sogenannte Großquellenhydrogeologie. Die Erhebung solcher Daten liefert wichtige Erkenntnisse über das Grundwasser und kann als Grundlage für die Schaffung von Schutzgebieten herangezogen werden.
Doch auch Tiroler Gemeinden sind zukünftig vermehrt mit Wasserversorgungsengpässen, vor allem aufgrund klimatischer Änderungen und den damit einhergehenden Änderungen der Quellschüttungen und der Verfügbarkeit von Grundwasser konfrontiert. Um für diese Situation gerüstet zu sein, werden idealerweise bereits heute Maßnahmen für eine zukunftssichere Wasserversorgung getroffen.
Die erste Maßnahme ist die Reduktion von Leckagen und Wasserverlusten im eigenen Netz. Die Errichtung von Notwasserverbunden bis zur Gründung gemeindeübergreifender Wasserversorgungsverbände können die Versorgungssituation gegenwärtig wie auch künftig erheblich verbessern. In letzter Konsequenz kann auch die Neuerschließung von Ressourcen erforderlich sein.
Die nachhaltige Nutzung und der Schutz von Wasserquellen sind entscheidend für die Versorgung und den Klimaschutz. Hier wird ein Überblick über die relevanten Aspekte gegeben.
Die Großquellenhydrogeologie befasst sich mit der Untersuchung und Überwachung von großen Wasserquellen, die derzeit oder künftig eine wichtige Rolle in der Wasserversorgung spielen. Zur langfristigen Sicherung der strategischen Wasserressourcen in Tirol wurden in den vergangenen Jahrzehnten durch verschiedene Stellen umfangreiche Studien an Großquellen durchgeführt. Diese Quellen liefern konstant hohe Wassermengen und sind daher für die Versorgung von Gemeinden und Regionen von strategischer Bedeutung. In den vergangenen Jahrzehnten haben verschiedene Studien wichtige Erkenntnisse über diese Wasserressourcen gewonnen – etwa zur Quellschüttung (der Wassermenge, die eine Quelle abgibt) und zu klimatischen Einflüssen.
Durch den Klimawandel verändern sich die Bedingungen der Großquellen. Zwar konnte ein Rückgang der Wassermenge bislang nur selten nachgewiesen werden, doch steigende Wassertemperaturen und veränderte Wasserqualität sind deutlich erkennbar. Damit die Wasserversorgung langfristig gesichert ist, sind regelmäßige Detailuntersuchungen erforderlich, um Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen und Maßnahmen zu entwickeln. Dazu zählen die Reduktion von Wasserverlusten im Versorgungsnetz und eine nachhaltige Nutzung der Quellen, um diese wertvollen Ressourcen auch für zukünftige Generationen zu bewahren.
Grundwasser ist eine essentielle Ressource für Trinkwasserversorgung und thermische Nutzung, insbesondere durch Grundwasserwärmepumpen. Dabei spielt die Temperatur des Grundwassers bis etwa 20 m Tiefe eine entscheidende Rolle für die energetische Nutzung. In Tirol liegen jedoch bisher nur punktuelle Daten zu den Grundwassertemperaturen vor, vor allem in den Haupttälern. In höheren oder abgelegeneren Bereichen fehlen meist Aufzeichnungen, was die Planung von Wärmepumpen in diesen Regionen erschwert und risikobehaftet macht.
Grundwasserschichtenpläne bieten detaillierte Informationen über den Grundwasserstand,
-fließrichtung und -geschwindigkeit und sind eine wichtige Grundlage für wasserwirtschaftliche Planungen. Detaillierte Grundwasserschichtenpläne werden aktuell für das Zillertal fertiggestellt, Untersuchungsprogramme für das Inntal sind in Vorbereitung. Zudem wurde eine umfassende Übersicht zu den Grundwassertemperaturen Tirols entwickelt, die auf realen Messdaten sowie einem neuen Modell zur Berechnung der Temperaturen basiert. Diese Daten, die über das Tiroler Raumordnungssystem (TIRIS) abrufbar sind, sind für die Planung und Nutzung von Grundwasser- und Erdwärmepumpen grundlegend und tragen zur nachhaltigen und sicheren Nutzung der Ressource bei.
Sogenannte Schutz- und Schongebiete dienen dazu, die Ressource Wasser vor Verunreinigungen und Gefährdungen bestmöglich zu schützen. In Tirol existieren hunderte festgelegte Schutz- und Schongebiete, deren Festlegung oftmals schon vor dem digitalen Zeitalter erfolgte. Die laufend stattfindende Schutzgebietsevaluierung umfasst eine Datenzusammenstellung,
-aufbereitung und -digitalisierung analog vorhandener Bescheide. Dazu gehört auch die Durchsicht und Plausibilitätsprüfung bereits digital vorliegender Unterlagen. Ergebnis dieser Evaluierung soll ein tirolweiter, digitaler Datenbestand sein, welcher eine Grundlage für zukünftige effiziente Projektabwicklungen schafft.