Die Wasserkraft stellt das Rückgrat der verlässlichen Stromerzeugung in Tirol dar und spielt eine zentrale Rolle für die Energiewende in der Region. Im Jahr 2022 wurden rund 7.531 Gigawattstunden (GWh) Strom aus Wasserkraft erzeugt, womit mehr als 1,8 Millionen Haushalte versorgt werden könnten. Die erzeugte Energie aus der Wasserkraft entspricht in etwa 25 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs Tirols.
Für die Erreichung der Energieautonomie bis 2050 soll unter anderem die Stromerzeugung aus Wasserkraft weiter ausgebaut werden. Dies ist besonders wichtig, da Elektrizität als Schlüssel zur Energiewende gilt und fossile Energieträger in Bereichen wie Mobilität und Raumwärme ersetzen soll.
Wenn Sie sich entscheiden ein Wasserkraftwerk zu errichten, egal ob es sich um ein Kleinwasserkraftwerk oder um ein größeres Lauf- bzw. Speicherkraftwerk handelt, ist zu Beginn eine sorgfältige Analyse und die Einhaltung rechtlicher Vorgaben erforderlich. Zunächst sind Abflussmessungen entscheidend, um die verfügbare Wassermenge zu bestimmen und die Machbarkeit des Projekts zu bewerten. Anschließend erfolgt eine technische und ökologische Grobplanung zur Bestimmung des optimalen Standorts. Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, müssen die erforderlichen Bewilligungen bei den zuständigen Behörden eingeholt werden. Dies umfasst die Prüfung verschiedener gesetzlicher Vorgaben, insbesondere im Hinblick auf Wasserrecht und Naturschutz, sowie die Einreichung umfangreicher Unterlagen aller erforderlichen Fachebereiche.
Unterstützung erhalten Sie in unserer Beratung Wasserkraft für Gemeinden oder in den Beratungen Trinkwasserkraftwerke bzw. Kleinwasserkraftwerk-Revitalisierungen für Unternehmen.
Die Revitalisierung von Kleinwasserkraftwerken in Tirol ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen Energiestrategie. Sie tragen etwa 25 Prozent zur Stromproduktion aus Tiroler Wasserkraft bei. Besonders bei älteren Anlagen besteht oft Potenzial zur Steigerung von Leistung und Erzeugung durch technische und wasserwirtschaftliche Optimierungen. Die Messung von Triebwassermengen in Abhängigkeit von der Leistung kann Aufschlüsse über den vorhandenen Wirkungsgrad der Anlage aufzeigen. Je nach Ergebnis kann es sinnvoll sein, Revitalisierungsmaßnahmen an Teilen der Anlage bzw. der Gesamtanlage anzugehen. Zudem können Anpassungen aufgrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie, wie die Errichtung von Fischaufstiegshilfen oder erhöhte Pflichtwasserabgaben, zu Erzeugungseinbußen führen, die kompensiert werden müssen.
Das Grundprinzip der Wasserkraft funktioniert immer gleich, indem die Energie von fließendem Wasser in Strom umgewandelt wird. In Tirol kommen hauptsächlich zwei Arten zum Einsatz: Lauf- und Speicherkraftwerke. Bei Laufkraftwerken treibt der natürliche Fluss des Wassers eine Turbine an. Speicherkraftwerke nutzen dagegen aufgestautes Wasser aus höher gelegenen Stauseen. In beiden Fällen dreht das Wasser eine Turbine, die wiederum einen Generator antreibt. Dieser erzeugt schließlich den elektrischen Strom, der in unser Netz eingespeist wird.
Laufwasserkraftwerke kommen typischerweise als Flusskraftwerke an größeren Flüssen mit hohen Abflüssen vor. Hier kompensieren die hohen Abflussmengen die teils niedrigen Fallhöhen. Ein typisches Laufwasserkraftwerk in Tirol ist das Innkraftwerk Kirchbichl, dass das Wasser des Inns mithilfe von Kaplanturbinen zur Stromerzeugung nützt. Bei hohem Gefälle und vergleichsweise geringen Abflussmengen kommen sogenannte Ausleitungskraftwerke, vor allem in unseren Regionen, oft vor. Dabei wird ein Teil des Abflusses eines Gewässers ausgeleitet und über eine Leitung über große Höhen zu einer oder mehrerer Turbinen geführt.
Hier sind auch Trinkwasserkraftwerke zu nennen: Bei Trinkwasserkraftwerken wird das Wasser, welches in weiterer Folge in der Wasserversorgung verwendet wird, durch eine Turbine geleitet. Hierbei kann in der Wasserversorgungsanlage zusätzlich Strom produziert werden, um so Synergieeffekte der bestehenden Infrastruktur zu nutzen. Da das Wasser bereits für die Trinkwasserversorgung abgeleitet wird, besteht in der Regel durch den Einbau einer Turbine kein zusätzlicher Eingriff in das Ökosystem und den Wasserkreislauf. Durch die Nutzung von trinkwassertauglichen Turbinen wird die Qualität des Wassers nicht beeinflusst.
Speicherkraftwerke speichern Wasser in Stauseen, um bei Bedarf Strom zu erzeugen. Dies erfolgt durch das Abarbeiten einer bestimmten Wassermenge über eine bestimmte Höhe über einer oder mehrerer Turbinen. Sie spielen eine wichtige Rolle für die Energieversorgung und Netzstabilität in der Region.
Bei Pumpspeicherkraftwerken werden zwei miteinander verbundene Speicher dazu genutzt, beispielsweise bei Stromüberschuss Wasser vom niedrig gelegenen in den höhergelegenen Speicher zu pumpen und bei Bedarf wieder abzuarbeiten. Somit kann überschüssiger Strom gespeichert und zu einem anderen Zeitpunkt wieder erzeugt werden. Ein bedeutendes Beispiel ist die Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz, welche mit einem Regelarbeitsvermögen von 718,6 GWh zu den leistungsstärksten Anlagen Österreichs zählt. Diese Art von Wasserkraftwerken können flexibel auf Schwankungen im Strombedarf reagieren und sind somit unverzichtbar für die Energiewende in Tirol.
Die Wasserkraft spielt vor allem eine zentrale Rolle in der Energieversorgung Tiroler Gemeinden und bietet vielfältige Vorteile für die lokale Entwicklung. Zahlreiche Gemeinden, Unternehmen, aber auch Privatpersonen in Tirol nutzen die natürlichen Gegebenheiten der Region, um durch Wasserkraftwerke sauberen Strom zu produzieren. Diese Anlagen tragen nicht nur zur nachhaltigen Energiegewinnung bei, sondern eröffnen den Gemeinden neue finanzielle Möglichkeiten und machen Unternehmen unabhängiger vom Energiemarkt.
Gerade bei älteren Kraftwerken besteht ein nicht zu verachtendes Mehrerzeugungspotenzial durch Anlagenoptimierung. Nicht nur durch eine technische Optimierung, sondern auch durch wasserwirtschaftliche Anpassungen ließen sich sowohl Leistung als auch Erzeugung oft deutlich steigern. Zudem können sich durch rechtlich bedingter Anpassungen Verluste bei der Stromerzeugung ergeben. Um diese potenziellen Erzeugungsverluste kompensieren zu können, empfiehlt sich eine gesamthafte Betrachtung der Bestandsanlage zur Erhebung und Ausschöpfung bestehender und gegebenenfalls noch nicht genutzter Potenziale.
Gemeinden und Unternehmen können das zweistufige Beratungsangebot der Energieagentur Tirol nützen. Im ersten kostenlosen Erstberatungsgespräch erhalten Sie eine Analyse des Potenzials Ihrer Anlage. Die zweite Stufe beinhaltet eine Vor-Ort-Begehung und eine Beratungsbericht inklusive Grobkostenschätzung, Stromverwertungs- und Fördermöglichkeiten.
Gemeinden sowie Private welche Wasserversorgungsanlagen betreiben können diese auf ungenutzte Trinkwasserkraft-Potenziale prüfen lassen. Trinkwasserkraftwerke zeichnen sich durch lange Lebensdauer und geringsten Wartungsaufwand auf. Allgemein zeigt sich, dass in zahlreichen Wasserversorgungsanlagen noch ungenutzte Potenziale bestehen, derer sich nur wenige tatsächlich auch bewusst sind. Die Wirtschaftlichkeit eines Trinkwasserkraftwerkes ist neben der Fallhöhe und Schüttung der Quellen von verschiedenen weiteren Faktoren abhängig.
Gemeinden können das zweistufige Beratungsangebot der Energieagentur Tirol nützen. Im ersten kostenlosen Erstberatungsgespräch erhalten Sie eine Analyse des Potenzials Ihrer Anlage. Die zweite Stufe beinhaltet eine Vor-Ort-Begehung und eine Beratungsbericht inklusive Grobkostenschätzung, Stromverwertungs- und Fördermöglichkeiten.
Es stehen attraktive Fördermöglichkeiten wie Investitionszuschüsse für die Errichtung und Erweiterung von Wasserkraftanlagen, Marktprämien zur Unterstützung der Stromproduktion aus Wasserkraft und Förderungen für ökologische Verbesserungsmaßnahmen an Gewässern von Bund, Land Tirol und durch Sonderförderprogramme zur Verfügung, insbesondere für Kleinwasserkraftwerke. Alle relevanten Förderungen zur Wasserkraft finden Sie in den Förderübersichten der Energieagentur Tirol.