Unsere Gebäude sind primär durch den Standort, die Entstehungszeit sowie individuelle Vorlieben und Geschmäcker geprägt. Im Fall einer thermischen Sanierung sollte die Gelegenheit genutzt werden, um mögliche Anpassungen an veränderte Lebensumstände und Anforderungen ans Wohnen umzusetzen und das Gebäude zukunftsfit zu machen. Das Grundprinzip von Sanierungen sollte immer die Verbesserung des Gebäudes und die Vermeidung eines Zufallsprodukts sein. Dazu braucht es Wissen um die Qualitäten des Bestandes und dessen Potenziale. Es gilt dabei, den Bezug zur Entstehungszeit und eine (Neu-)Einordnung der ästhetischen Erscheinung des Gebäudes in das Orts- oder Siedlungsbild mitzudenken.
Ein allgemeingültiger Zeitpunkt für eine thermische Sanierung lässt sich schwer festmachen. Unverkennbar ist der Sanierungsbedarf dann, wenn Änderungen hinsichtlich der Wohnnutzung anstehen oder Schäden an Gebäudeteilen auftreten. Einen günstigen Zeitpunkt stellen notwendige Reparatur- oder Instandhaltungsarbeiten dar. Muss beispielsweise bei einer Fassade die Putzschicht ausgebessert und ein neuer Anstrich angebracht werden, fallen die Kosten dafür sowie für das erforderliche Gerüst sowieso an. Die energietechnischen Mehrkosten für das zusätzliche Anbringen einer Dämmung und das Versetzen von Regenrohren amortisieren sich dann schneller.
Abhängig von: ordnungsgemäßer Ausführung, regelmäßiger Wartung, Standort, Witterungsverhältnissen, Gebäudeform, ...
| Bauteil | Nutzungsdauer |
| Fenster | 20 – 40 |
| Außenputz | 25 – 60 |
| Wärmedämmverbundsystem | 30 – 50 |
| Dämmstoff zwischen Konstruktion | 25 – 50 |
| Fassenverkleidung aus Holz | 15 – 50 |
| Dachdeckung aus Ziegel, Beton | 40 – 60 |
| Dach aus verzinktem Stahlblech | 15 – 40 |
| Abdichtung Flachdach | 15 – 40 |
Eine umfassende Analyse und Bestandsaufnahme ist der Grundstein für eine hochwertige Sanierung. Neben der Auswertung der Energieverbrauchsdaten für Heizung, Warmwasser und Strom, sowie den rechtlichen Vorgaben und Auflagen, ist vor allem der Zustand der vorhandenen Bausubstanz ein entscheidender Faktor. Speziell auf die Schwachstellen eines Gebäudes – die sichtbaren und die verdeckten Mängel – ist besonderes Augenmerk zu legen. Vor allem wenn es z. B. feuchtes Mauerwerk oder mit Schimmel befallene Stellen gibt, ist der Ursache genauer auf den Grund zu gehen
Mitunter stellt sich die Frage: „Zahlt sich eine Sanierung überhaupt aus oder ist es besser, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen?“ Bei der Beantwortung gilt es, mehrere Faktoren zur Bewertung heranzuziehen.
Finanziell betrachtet lässt sich diese Frage nicht einfach beantworten. Wichtig ist ein detaillierter Kostenvergleich zwischen Abriss und Erhalt. Beim sogenannten Ersatzneubau (Abriss und Neubau) sind die Kosten für Abbruch und Entsorgung zu berücksichtigen. Sanierungen erfordern häufig individuelle Lösungen, die arbeitsintensiver sind und höhere Kosten verursachen können. Speziell wenn Veränderungen an der Statik vorgenommen werden, ist mit erheblichem technischem Aufwand und Mehrkosten zu rechnen. In solchen Fällen kann ein Neubau von Vorteil sein.
Für eine vollständige Kostenbetrachtung sollten unbedingt die Fördermittel für Sanierung und Neubau miteinander verglichen werden.
Im Bestand stecken schon viel Energie und Rohstoffe z. B. jene, die für Herstellung, Transport, Lagerung usw. des Bestandsgebäudes aufgewendet wurden. Ein Abriss und Neubau schneidet bezüglich der Frage des Energie- und Rohstoffeinsatzes – über den gesamten Lebenszyklus betrachtet – im Vergleich meist schlechter ab als eine Sanierung. Aus einer ökologischen Perspektive ist eine Sanierung deshalb sinnvoller.
Neben Bewertungen, die direkt an den Kosten oder technischen Kennwerten festgemacht werden können, gibt es weitere qualitative Faktoren. Dazu zählt die Einschätzung der vorhandenen funktionalen, architektonischen und baukulturellen Qualität des Bestandes, die für oder gegen einen Abbruch sprechen kann. Schlussendlich hat die Entscheidung auch mit der persönlichen Bindung zu einem Haus zu tun.
Die Sanierung eines Gebäudes sollte immer ganzheitlich betrachtet werden und über den Fokus der thermischen Sanierung hinausgehen. Neben der energietechnischen Anpassung des Gebäudes an einen aktuellen, zeitgemäßen Standard sollte immer an die Möglichkeit gedacht werden, Verbesserungen bezüglich der Wohnqualität oder Gestaltung des Gebäudes durchzuführen. Dabei sollte geprüft werden, welche Maßnahmen für die Umgestaltung zwecks altersgerechter und barrierefreier Wohnnutzung notwendig sind.
Eine thermische Sanierung kann der Auslöser für eine gezielte umfassendere Aufwertung des Gebäudes sein. Im Laufe seiner Lebensdauer unterliegt nicht nur ein Wohnhaus dem Wandel, sondern auch seine Bewohner*innen. So kann ein für die Bewohner* innen zu groß gewordenes Einfamilienhaus durch bauliche Interventionen zum Mehr - generationenhaus werden.
Die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum bei bestehenden Gebäuden oder auch die Kombination von Wohnen und Arbeiten können dabei mithelfen, den Verbrauch von Grund und Boden zu minimieren.
Ein hochwertiges Weiterbauen am Bestand ist nahezu bei allen Gebäuden möglich. Auch Gebäude unter Denkmalschutz lassen sich durch qualitätsvolle, architektonische Interventionen oder Zubauten sehr gut erweitern. Die Methoden, ein Haus weiterzubauen, sind vielfältig und reichen von Änderungen in der Grundrissstruktur über die Teilung von Wohnungen bis hin zu Aufstockungen und Anbauten.
Aufbauend auf die Bestandsaufnahme und die Zielformulierungen erfolgt im Sanierungskonzept die Ausarbeitung eines Lösungsvorschlags. Im Idealfall umfasst das Sanierungskonzept sowohl das energietechnische als auch das architektonische Konzept.
Der Energieausweis ist ein wichtiger Bestandteil für den energietechnischen Teil des Sanierungskonzeptes. Er stellt die Basis für die hochwertige und energieeffiziente Sanierung eines Gebäudes dar.
Ein Haus gemeinsam mit anderen zu bauen, kann ein Modell für Tirols Wohnhaus der Zukunft sein. Welche Möglichkeiten gibt es hier? Sie können mit anderen Interessierten eine Baugemeinschaft bilden. Als private Baugruppe erwerben Sie zusammen ein Grundstück und entwickeln und errichten dort ein gemeinsames Wohnobjekt. Eine Baugemeinschaft bietet die Möglichkeit, sich kostensparend zu überlegen, was die einzelnen Parteien für sich speziell benötigen und welche Flächen und Ressourcen man teilen kann. Zusammenleben spart Platz und Kosten
Eine Baugemeinschaft kann neben Raum auch weitere Ressourcen teilen z. B. ein gemeinsames „Zweitauto“ zum Carsharing.
Bei einer Baugruppe wird zwar jede Wohneinheit individuell geplant, das Wohnobjekt als Ganzes aber gemeinsam entwickelt. Unterschiedliche Standpunkte der einzelnen Nutzer* innen müssen zu einer gemeinsamen Lösung zusammengeführt werden. Es braucht daher ein Architektur- bzw. Planungsbüro, das mit diesen Herausforderungen umgehen und im Dialog mit allen Nutzer*innen planen kann.
Ein entscheidender Faktor für das Funktionieren einer Baugruppe ist es, vor dem Zusammenschluss alle Pflichten und Rechte innerhalb der Gruppe abzuklären und verbindliche Entscheidungs- bzw. Abstimmungsmodalitäten für die gesamte Planungs- und Bauphase zu vereinbaren. Ab einer bestimmten Größe der Baugruppe ist es empfehlenswert, den Gruppenprozess durch externe Moderator*innen begleiten zu lassen.
Es sollte rechtzeitig festgelegt werden, welche Gewerke als Baugruppe vergeben werden bzw. was jeder Eigentümer einzeln vergibt. Treffen die Projektbeteiligten die Entscheidung, das Projekt im Wohnungseigentum aufzuteilen, erfolgt die Unterteilung nach Nutzwertanteilen. Die Erhaltung der Anlage erfolgt gemeinschaftlich. Eine gemeinsame Energieversorgung wird auf Allgemeinflächen untergebracht.
Ein großer Vorteil eines Gemeinschaftsprojektes liegt darin, dass man durch das größere Bauvolumen eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den ausführenden Firmen hat und günstigere Preise erzielt werden können.
Die Planung eines Neubaus beginnt eigentlich schon mit der Auswahl des Grundstücks. In Tirol kein leichtes Unterfangen. Das Grundstück ist bereits der erste Faktor für die zukünftige Energiebilanz eines Gebäudes.

Die Beantwortung dieser Fragen hat zum Teil weitreichende Konsequenzen für die Zukunft. Ist das Haus fern vom Ortszentrum und nicht gut an den öffentlichen Verkehrangeschlossen, wird häufig ein zweites Auto benötigt. Liegt das Haus auf einem Grundstück, das im Winter über zwei Monate hinweg keine Sonne abbekommt, sind solare Gewinne in dieser Zeit nicht möglich. Schlechte Bodenbeschaffenheit oder Hangwasser können höhere Kosten nach sich ziehen. Wird an die Nutzung von Erdwärme zur Beheizung eines Gebäudes gedacht, können unterschiedliche geologische Schichten im Boden großen Einfluss auf das nötige Ausmaß der Tiefenbohrung haben.
Die nachhaltige Errichtung eines Wohnbaues bedeutet vor allem auch, Raumstrukturen bzw. Grundrisse vorausschauend zu planen, so dass beispielsweise später notwendige Umbauarbeiten zur Errichtung einer barrierefreien Wohnung ohne großen Eingriff möglich sind. Werden Räume bereits vorab so konzipiert, dass eine flexible Nutzung möglich ist bzw. später aus einer Wohnung zwei Einheiten entstehen können, wird dadurch ein großer Mehrwert erzielt.