Thomas Romm: 10 Mio. Tonnen an mineralischen Baurestmassen stehen in Österreich Jahr für Jahr zur Verfügung. Damit kann der Bedarf an mineralischen Baustoffen von ca. 100 Mio. Tonnen jährlich gerade einmal zu 10 Prozent gedeckt werden. Es ist daher essenziell, die jährlichen 30 Mio. Tonnen Aushub als Rohstoff im Bauprozess zu integrieren. Damit wäre dann schon fast die Hälfte des Bedarfs in einem geschlossenen Kreislauf abgebildet.
Es liegt auf der Hand, dass wir die 50 Prozent an Materialbedarf, die wir nicht curricular gestalten können, einsparen müssen. Das bedeutet einen anderen Umgang mit dem Bestand. Konkret: Wir müssen das Weiterbauen an die Stelle des Neubauens setzen. Und wir müssen unsere Neubauten weiterbaubar planen. Und zwar ohne jeden Mehraufwand an Material, ausschließlich mit planerischer Intelligenz.
Kreislaufwirtschaft ist die einzige Option, die wir haben, um die Irreversibilität des Klimawandels abzuwenden. Die Leute begreifen noch nicht, dass kein 2,2- oder 2,3-Grad-Ziel kommen wird, da die Kippeffekte beim Verfehlen des 2-Grad-Ziels die Unumkehrbarkeit des Klimawandels bedeutet. In der Baubranche beobachte ich eine weit verbreitete Bipolarität.
„Investor*innen und Entwickler*innen erkennen die Notwendigkeit, aber ziehen nicht die Konsequenzen.“
Thomas Romm
Eine neue Wertschöpfung ist zentral in der Kreislaufwirtschaft. Unser Büro hat in den letzten zehn Jahren fast 2 Mio. Kubikmeter umbauten Raum rückgebaut. Da begegnet man unglaublichen Dingen, wie beispielsweise einem Heim mit 2.500 frisch sanierten Fenstern oder ein Hochregallager, das 4 Mio. Euro gekostet hat und 12.000 Euro Schrottwert bringt. BauKarussell ist ein Kooperationsnetzwerk von sozialwirtschaftlichen Betrieben, die sich von uns im verwertungsorientierten Rückbau anleiten lassen. Aus den Erlösen von wiederverwendbaren Bauteilen und Wertstoffen im Gebäude – meist Buntmetallen – leistet BauKarussell Entfrachtungsarbeiten zur Vorbereitung des Abbruchs.
Ein Gebäude muss schadstofffrei sein, um wirtschaftlich rückgebaut werden zu können. Das Zerstörungsgebot für geschäumte Dämmstoffe, die vor 2018 eingebaut wurden, bedeutet konkret Entsorgungskosten, die ein Vielfaches der Gestehungskosten betragen.
Wenn es wirklich nicht möglich ist, Tragstrukturen im Bestand zu ertüchtigen und weiterzubauen, dann sollte das Rückbaukonzept auf einen Mehrwert für das folgende Bauvorhaben abzielen. Ein Zeitfenster für „social urban mining“ kann die lokale Wertschöpfung im verwertungsorientierten Rückbau noch einmal deutlich steigern. Dafür stellen wir ein Leistungsverzeichnis gratis auf der BauKarussell-Website zur Verfügung, damit jeder, der Rückbauleistungen ausschreibt, auch „social urban mining“ beschaffen kann.