Seit 2014 sind Tirols Pläne, sich unabhängig von fossilen Brennstoffen und damit energieautonom zu machen, offiziell festgelegt. Vor mittlerweile zehn Jahren hat die Landesregierung die Initiative TIROL 2050 energieautonom vorgestellt. Damit soll der Klimaschutz ebenso vorangetrieben wie nicht weniger als zwei Milliarden Euro Wertschätzung zurück ins Land geholt werden.
Die bisherigen Anstrengungen machen sich bezahlt. Das belegt die neueste Aktualisierung des Zielszenarios für TIROL 2050 energieautonom, das unter Leitung der Energieagentur Tirol von einem Konsortium regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird. Dort zeigt sich, dass anhand der Kennzahlen der halbe Weg bereits geschafft ist. Tirol hat dank seiner reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen – Wasser, Holz, Sonne, Wind und Umweltwärme – das Potenzial, seinen Bedarf an Energie für Mobilität, Heizung und Strom langfristig selbst zu decken. Treiben wir diese Entwicklung weiter voran, entstehen zudem neue Arbeitsplätze und es wird Wertschöpfung geschaffen, die in Tirol bleibt.
Landeshauptmann-Stellvertreter
Josef Geisler
Das bedeutet allerdings nicht, dass es Zeit ist, die Hände in den Schoß zu legen: Das aktualisierte Zielszenario gibt vor, welche Technologien und welche heimischen Ressourcen entscheidend sein werden, um die Energiewende auch im Hinblick auf das zu erwartende Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum voranzutreiben. Dabei zeigt sich: Das energieautonome Tirol wird im Jahr 2050 vor allem auf Elektrizität als effizienteste Energieform bauen – und zwar in der Mobilität und in Gebäuden ebenso wie in der Industrie. Zwei Drittel dieses Bedarfs werden im Jahr 2050 durch Wasserkraft abgedeckt werden. Die verbleibenden rund 30 Prozent wird Photovoltaik generieren. Bei der Versorgung mit Heizwärme spielen dann neben stromgetriebenen Wärmepumpen vor allem Biomasse und Fernwärme die wichtigsten Rollen.
LR René Zumtobel
Damit TIROL 2050 energieautonom Realität wird, gilt es, vor allem zwei Voraussetzungen zu erfüllen: Der landesweite Energiebedarf muss um 30 Prozent reduziert werden. Zugleich muss die weiterhin benötigte Energie vollständig aus erneuerbaren, heimischen Quellen entstehen. Dazu ist es nötig, den Einsatz erneuerbarer Energieträger um 80 Prozent auszubauen. Die Hauptrolle nimmt dabei die Mobilität ein, wo bislang zum größten Teil fossile Energieträger eingesetzt werden. Bis 2050 soll sie emissionsfrei werden und ihr Energiebedarf um 62 Prozent sinken. Die produzierende Wirtschaft hat dagegen bereits einiges vorgelegt. Dennoch muss ihr Energieverbrauch um weitere 6 Prozent sinken. Dabei steht die Umstellung von Produktionsprozessen auf Elektrizität im Vordergrund, Wachstum bleibt dabei das Ziel. Als Alternativen können Wasserstoff, synthetisches Methan oder Biogas dienen. Das finale Puzzlestück sind Gebäude: Ihr Energiebedarf muss bis 2050 um 18 Prozent reduziert und ein Umstieg auf alternative Heizsysteme forciert werden. Noch heizen rund 94.000 Haushalte mit Öl und Flüssiggas sowie 34.000 weitere mit Erdgas. Doch Wärmepumpen, Fernwärme und Holz gewinnen zusehends an Bedeutung.