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Grüne Infrastruktur gegen die Hitze –
mehr als nur schöne Fassade

Wir alle haben die Schlagzeilen des letzten Sommers noch im Kopf. Die Zunahme von Hitzetagen als unmittelbare Auswirkung des Klimawandels rückt immer mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit. Die Forderungen nach Kühlmaßnahmen werden gleichzeitig stärker.

Der Hintergrund

An vielen Tiroler Orten war es in den Sommermonaten des Jahres 2019 zu warm für die Jahreszeit. Das heißt nicht, dass es ab jetzt jeden Sommer Hitzewellen gibt und neue Hitzerekorde gebrochen werden. Es ist aber wahrscheinlich, dass Hitzewellen immer häufiger und heißer werden. Betroffen sind vor allem verbaute Gebiete mit stark versiegelten Flächen. Ein großer Anteil von Beton-, Glas- und Asphaltflächen mit meist nur kleinen Grün- und Wasserflächen führt zu einer stärkeren Erwärmung: städtische Wärmeinseln bzw. Urban Heat Islands sind die passenden Schlagworte dazu. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung in Tirol wächst, insbesondere in den schon dicht besiedelten Gebieten. Neue Gebäude für Wohnbau und Infrastruktur werden geschaffen, damit werden zusätzliche Flächen versiegelt und Grünflächen reduziert.

Grüne Infrastruktur gegen die Hitze

Der Ruf nach Kühlmaßnahmen wird lauter und die „grüne Fassade“ als Lösung ist in aller Munde. Energie Tirol ging diesem Thema im Rahmen einer Fachveranstaltung auf der Tiroler Hausbau & Energie Messe Ende Jänner 2020 nach.

Für die vortragenden ExpertInnen stand fest, dass es einer gesamthaften Herangehensweise bedarf. Es gilt nicht nur einzelne Maßnahmen wie Fassadenbegrünungen zu betrachten. Um den Prognosen der Klimaerwärmung so gut es geht entgegenzuwirken, sind von der Politik und Gesetzgebung über die planenden und ausführenden Firmen bis hin zu den Gemeinden und der Bevölkerung alle gefragt. Die Begrünung am Gebäude ist nicht die alleinige Lösung gegen die Hitze in Städten und Gebäuden. Es bedarf einer grünen und blauen Infrastruktur nicht nur am, sondern vor allem rund ums Gebäude. Sabine Dessovic, Landschaftsplanerin aus Wien machte klar, dass wir den Baumbestand möglichst zu erhalten haben und Flächen verstärkt entsiegeln müssen. Rosemarie Stangl, Universitätsprofessorin und Institutsleitern für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau an der BOKU Wien ergänzte, dass die Flächen in Österreich zunehmend hart, dunkel und heiß und zu einer sogenannten grauen Infrastruktur werden. Ein wichtiges Ziel, um den Hitzebelastungen in unseren bebauten Gebieten entgegenzutreten, ist mehr grüne und blaue Infrastruktur zu schaffen. Diese Maßnahmen wirken sich auch positiv auf die Gebäude aus und können gemeinsam mit gezielten Maßnahmen am Gebäude selbst zur Vermeidung von aktiver Kühlung führen.

Der Klimawandel im Alpenraum

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf unseren Siedlungsraum? Was sind die regionalen Gegebenheiten und in welchem Verhältnis stehen sie zu den globalen Entwicklungen? Nachgefragt bei Johannes Vergeiner, Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck, wird deutlich, dass uns der Klimawandel nicht bevorsteht, sondern wir uns bereits mitten drin befinden. Die Statistiken zeigen seit den 80er Jahren eine eindeutige „systematische Anhäufung“ von über das Jahr gemittelt, erhöhten Temperaturen.

Eine auch für Tirol zunehmende Auswirkung ist die Zunahme von Hitzeperioden. Am stärksten betroffen sind dabei dicht besiedelte Gebiete. An 47 % der Sommertage im Jahr 2019 war es beispielsweise in Innsbruck und Kufstein zu warm für die Jahreszeit.

Erschreckende Erkenntnis: Die gefürchtete +2 °C-Marke hat Tirol bereits überschritten und das aktuell wahrscheinlichste Szenario geht in Tirol von einem Temperaturanstieg von +5 °C bis 2050 aus.

Tagesmittelwerte der Lufttemperatur
für Sommer 2019 in Innsbruck

© ZAMG Klimamonitoring, www.zamg.ac.at

Was ist eigentlich eine Hitzeinsel?

Darunter werden Gebiete verstanden, die im Vergleich zum Umland eine höhere Temperatur aufweisen. Eine starke Versiegelung von Flächen und eine hohe Bebauungsdichte können dazu führen, dass solare Einstrahlung stärker absorbiert und länger gespeichert wird. Prädestiniert für die Bildung von Hitzeinseln sind Gebiete mit einem sehr großen Anteil von Beton-, Glas- und Asphaltflächen mit nur wenigen Grün- und Wasserflächen.

Hitzeinseln kühlen sich während einer Hitzeperiode kaum oder nur sehr langsam ab. Das lässt sich auch an der Zunahme der Anzahl von Hitzetagen und Tropennächten in innerstädtischen Gebieten feststellen. Als Tropennacht wird eine Nacht bezeichnet, in der die Temperatur nie unter 20° C sinkt. In Innsbruck sind Tropennächte erst seit einigen Jahren ein Thema, in Wien waren es 2019 schon 15.

Versiegelte Flächen tragen 
zur Überhitzung bei

Die Versiegelung in Österreich liegt aktuell bei rund 13 Hektar pro Tag. Das entspricht zirka

18 Fußballfelder

Ein angemessener Wert
würde bei 2,5 Hektar liegen.

Österreich ist mit 4.000 bis 5.000 Hektar pro Jahr Europameister im Flächenverbrauch. Die Hälfte davon wird vollversiegelt und ist „monofunktional“. Verbraucht werden die Flächen vor allem für Verkaufsflächen. Auch hier liegt Österreich mit einer pro Kopf Fläche von 1,72 m² unter den Top 3 in Europa.

Die Flächen in Österreich werden also zunehmend hart, dunkel und heiß und zu einer sogenannten grauen Infrastruktur.

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