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Wind bewegt

Die aktuelle Ausgabe der Energie Perspektiven beleuchtet das Windkraft-Potenzial in Tirol, zeigt gelungene Beispiele aus benachbarten Regionen und liefert fundierte Informationen rund um Technik, Wirkung und Besonderheiten alpiner Windkraft.

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Gebündeltes Know-how

Energie Tirol und Wasser Tirol bilden ab sofort die Kompetenz für Wasser und Energie und treten unter dem gemeinsamen Namen Energieagentur Tirol auf.

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Wir haben die Antworten auf Ihre Energiefragen. Uns geht es dabei immer um die Sache – und nicht um Produkte.

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Ausreden helfen nicht beim Wandel

Interview mit Dr. Thomas Brudermann

© Universität Graz / Tzivanopoulos

Dr. Thomas Brudermann ist Experte für menschliches Entscheidungsverhalten und erläutert die inneren und äußeren Widersprüche, die klimafreundliches Verhalten verhindern und wie wir diese als Gesellschaft überwinden können.

Was tragen Sie zum gesellschaftlichen Wandel bei?

Dr. Thomas Brudermann: Ich versuche, wissenschaftliche Erkenntnisse rund um Klima, Nachhaltigkeit und menschliches Verhalten mit Humor zu kommunizieren, und das auch außerhalb der Universität: Zum Beispiel mit meinem Buch „Die Kunst der Ausrede“, mit frei verwendbaren Illustrationen und Infografiken und als Sprecher bei circa 70 bis 80 Veranstaltungen pro Jahr.

Welches Projekt in Bezug auf das Erreichen der Energiewende hat Sie in letzter Zeit nachhaltig beeindruckt?

Bei aller berechtigten Kritik an China: Ich finde beeindruckend, wie schnell China die Energiewende im eigenen Land vorantreibt. Dort wird mittlerweile pro Jahr mehr Photovoltaik und Windenergie installiert als im Rest der Welt zusammen. Und das zeigt Wirkung, die Emissionen beginnen in China nach derzeitigem Stand früher zu sinken als geplant. Schon letzten Sommer wurden mehr Elektroautos neu zugelassen als Verbrenner. Da hinken wir in Österreich noch weit hinterher.

Wie können wir Zukunft schaffen?

Mit einem offenen Auge für die Komplexität der gegenwärtigen Herausforderungen und mit einem Zeithorizont, der über einzelne Legislaturperioden hinausgeht.

© Energieagentur Tirol / punkt.agency

„Für mich ist der menschengemachte Klimawandel gemeinsam mit der Biodiversitätskrise der ultimative Intelligenztest für uns als Gesellschaft.“

Dr. Thomas Brudermann
Österreichischer Nachhaltigkeitsforscher

© Energieagentur Tirol / punkt.agency

Wie stellen Sie sich die Zukunft im Jahr 2050 vor?

Meine hoffnungsvolle Vorstellung ist: Wir kämpfen zwar mit den Auswirkungen der Erderhitzung, haben aber die notwendigen Kehrtwenden geschafft, bei Energie, in der Landwirtschaft, in der Industrie, beim Verkehr. Energie in Österreich ist 100 Prozent erneuerbar, die Industrie ist klimaneutral. Der Autoverkehr hat massiv abgenommen und ist elektrisch. Die Lebensqualität ist wegen besserer Luft und geringerer Arbeitszeiten höher, und wir streiten zwar mit unterschiedlichen Meinungen, aber mit denselben Fakten.

Gibt es eine Blaupause für positive gesellschaftliche Veränderungsprozesse und wie sieht diese aus?

Wir stehen vor einer noch nie dagewesenen Herausforderung, und dementsprechend gibt es keine Blaupause. Als Menschen sind wir aber prinzipiell dazu in der Lage, neue Herausforderungen zu meistern. Für mich ist der menschengemachte Klimawandel gemeinsam mit der Biodiversitätskrise der ultimative Intelligenztest für uns als Gesellschaft.

Wie schaffen wir es als Gesellschaft, gemeinsame Ziele in Bezug auf die Energie und Klimawende zu definieren und auch tatsächlich zu erreichen?

Ein Ansatz wäre: Beteiligungsprozesse, bei denen die Fakten auf dem Tisch liegen und genug Zeit bleibt für das Diskutieren von gemeinsamen Wertvorstellungen und Zielen, aber auch von Bedenken. Das ist selbstverständlich nur ein Baustein von mehreren.

Welche Rolle spielen Fehlannahmen und emotionale Wahrnehmungen im gesellschaftlichen Diskurs und wie kann diesen entgegengewirkt werden?

Falschinformationen und aufgeschaukelte Emotionen vergiften den Diskurs massiv und erschweren Lösungen. Mit dem Thema Klima waren wir eigentlich durch, die dringende Handlungsnotwendigkeit wurde 2019 von weiten Teilen in Bevölkerung und Politik verstanden. Mit gezielter Desinformation ist es fossilen Lobbyorganisationen und auch politischen Parteien seitdem gelungen, Zweifel zu säen. Mit Scheinlösungen und Märchenerzählungen wird von der Dringlichkeit abgelenkt, leider auch von etablierten Parteien. Medienhäuser springen ebenfalls auf diesen Zug auf, vor allem diejenigen, die vom Konflikt leben. Wie wirken wir dem entgegen: Indem wir die Fakten außer Streit stellen und uns der unangenehmen Realität stellen. Indem die Politik ihrer Verantwortung nachkommt. Indem wir Falschinformation schon proaktiv bekämpfen. Indem wir Medien und Werbebranche in die Pflicht nehmen. Und indem wir mit unserer Kommunikation aktivieren, anstatt zu lähmen.

Noch mehr von Dr. Thomas Brudermann:

Für TIROL 2050 energieautonom spricht er über Verhaltensänderungen zum Erreichen der Energiewende:

Warum stehen individuelle Bedürfnisse einem gemeinsamen Ziel oft im Weg und wie können wir die Haltung „not in my backyard“ überwinden?

Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass dieses „NIMBY“ in den meisten Fällen ein vorgeschobenes Argument ist. Der Widerstand gegen beispielsweise die Windkraft wird durch andere Faktoren besser erklärt: Empfundene negative Auswirkungen auf die Landschaft und andere Nachteile, fehlende Teilhabe an den Vorteilen, politische Einstellungen. Aber rationalisiert wird es dann gerne mit „sollen doch die anderen was tun, bzw. macht das woanders“.

Die einzige Konstante ist die Veränderung – was brauchen Gesellschaften und letztendlich die globale Gemeinschaft, um langfristig zusammenzuarbeiten?

Zusammenarbeit erfordert gegenseitiges Vertrauen und sozialen Zusammenhalt. Daran gilt es zu arbeiten, wenn wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern wollen.

© Energieagentur Tirol / punkt.agency

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