Bruno Oberhuber: Die grundlegende Idee war es, aus zwei bestehenden Einrichtungen eine schlagkräftigere Energieagentur mit breiten Kompetenzen zu schaffen. Wir sind ja schon vor der Fusion demselben politischen Verantwortlichen unterstanden. Schon deswegen hat die Zusammenlegung Sinn ergeben. Dazu kommt, dass sich in den vergangenen 30 Jahren, seit Energie Tirol gegründet worden ist, auch die Situation geändert hat. Die neue rechtliche Form als hundertprozentige Land-Tirol-Tochter ist das bessere Konstrukt für große Aufgaben wie die Energiewende und -autonomie.
Rupert Ebenbichler: Wir hatten uns ursprünglich eine Kompetenzaufteilung überlegt. Das hat sich schnell als nicht zielführend erwiesen. Gerade am Anfang mussten wir uns erst finden. Da war es wichtig, dass jeder Einblicke in ihm bisher fremde Bereiche bekommt. Deswegen versuchen wir in der Übergangsphase, alle wesentlichen Punkte und Entscheidungen gemeinsam anzugehen und an allen Themen miteinander zu arbeiten. Das ist sowohl fachlich als auch persönlich wichtig. So kann man sich kennenlernen, sehen, was der andere macht, wie er tickt und wie Entscheidungen getroffen werden. Und dabei können wir auch voneinander lernen. Eine geplante Struktur bei solchen Unterfangen ist schön – viel wichtiger ist aber, dass sich das Gemeinsame organisch entwickelt. Und das geschieht gerade.
„Gerade am Anfang war es wichtig, dass jeder Einblicke in ihm bisher fremde Bereiche bekommt.“
Rupert Ebenbichler
Ebenbichler: Das übergeordnete Ziel, das uns alle antreibt, ist es, wirkungsvoll dazu beizutragen, die Energie- und Klimaschutzziele sowie die Maßnahmen zur Klimawandelanpassung umzusetzen. Dazu haben wir eine große Breite an Leistungen, die wir unseren Kund*innen anbieten – von der Privat- und Gemeindeberatung bis hin zur Projektentwicklung und dem Projektmanagement. Um dem gerecht zu werden, müssen wir diese Kompetenzen natürlich so kombinieren, dass sie ein zielgerichtetes Angebot ergeben, das den Kund*innen weiterhilft. Diese Bündelung ist sozusagen das praktische Ziel.
Oberhuber: In der Qualität der Dienstleistung hat das keine Auswirkung – zumindest keine negativen. In einzelnen Bereichen stimmen wir unsere Dienstleistungen und unser Know-how wie gesagt ab und machen daraus ein besseres Angebot. Weil wir zum einen von verschiedenen Seiten und bis zu einem gewissen Grad auch aus verschiedenen Kulturen kommen und zum anderen unterschiedliche Expertisen im Umgang mit unterschiedlichen Kundengruppen mitbringen, ergeben sich da einige Synergien.
Ebenbichler: Zudem muss man es sagen, wie es ist: Singuläre Organisationen schauen immer auf sich selbst, auch wenn sie thematisch am selben Strang ziehen. Das war früher bei uns nicht anders. Jeder hat an seinem Angebot und an seinen Projekten gearbeitet. Zugleich gab es aber Überschneidungen beim Kundenkreis. Dieses Konkurrieren fällt jetzt weg und wir haben die Möglichkeit, unsere Kompetenzen zu bündeln und ein schlagkräftiges Gesamtpaket zu gestalten.
Oberhuber: Das eine, an dem wir jetzt noch arbeiten, ist das bessere Kennenlernen der Mitarbeiter*innen untereinander. Das ist aktuell ein wenig eingeschränkt, da der Umzug zu einem gemeinsamen Standort noch in der Vorbereitungsphase ist. Wenn der vollzogen ist, geht es an die Details. Wir sind jetzt mit mehr als 55 Mitarbeitenden eine größere Organisation, und da muss viel abgestimmt werden. Das fängt beim Ausfüllen der Urlaubsanträge an, geht aber natürlich noch viel weiter, vor allem bei Themen wie Austausch oder gegenseitige Unterstützung.
Ebenbichler: Wir haben schon viele Prozesse neu definiert. Der nächste Schritt für uns ist es, alle Unternehmensprozesse durchzugehen und neu zu definieren. Das ist eine Basis, die jetzt sauber gelegt werden muss, damit wir darauf aufbauen können. Und dazu kommt natürlich, dass wir gerade aktuell mit Beratungsanfragen nahezu überrannt werden, die natürlich auch allen Qualitätsstandards entsprechend bearbeitet werden müssen.
Oberhuber: Langfristig sehen wir unsere Rolle als eine tragende im Hinblick auf die Umsetzung der Energiepolitik. Gemeinsam wollen wir als Schnittstelle zwischen der Politik, den Endkund*innen und den Bürger*innen dienen. Zudem sind wir natürlich ein Unterstützer in Verwaltung und Umsetzung – und nicht zuletzt Ideengeber – für die nächsten Schritte in die Energiezukunft Tirols.