Ob sichere Radwege, durchdachte Siedlungsstrukturen oder attraktive Haltestellen – Tirols Gemeinden gestalten aktiv die Mobilität von morgen. Mit dem Landesprogramm Tiroler Mobilitätssterne erhalten sie ein Werkzeug, um ihre Stärken sichtbar zu machen und gezielt weiterzuentwickeln. So wurden 59 Tiroler Gemeinden mit Mobilitätssternen ausgezeichnet. Der Mobilitätscheck, der die Basis der Auszeichnung bildet, liefert eine fundierte Analyse des Ist-Zustands und zeigt auf, wo Potenzial für Verbesserungen liegt. So entstehen konkrete Impulse für die kommunale Verkehrspolitik und mit den Mobilitätssternen eine Auszeichnung, die Engagement sichtbar macht. Die Sterne stehen dabei nicht nur für Qualität, sondern auch für Orientierung: Ähnlich wie in der Gastronomie werden Gemeinden für ihre Leistungen gewürdigt und motiviert, weitere Schritte in Richtung klimafreundliche Mobilität zu setzen.
Wie diese Maßnahmen wirken können, zeigt sich in den vielfältigen Mobilitätsprojekten der ausgezeichneten Gemeinden.
Mobilität zählt zu den entscheidenden Hebeln der Energiewende:
Besonders positiv bewertet er die Entwicklung hin zu gemeinschaftlich genutzter Mobilität:
Neben der Elektromobilität und E-Carsharing stellt die Verlagerung von Alltagswegen auf sanfte Mobilitätsformen – also öffentlicher Verkehr, Radfahren, Zufußgehen – den zentralen Hebel auf dem Weg zu einem klimatauglichen Mobilitätssystem dar. Gemeinden können dies fördern, indem sie diese Verkehrsarten bei ihren verkehrspolitischen Überlegungen ins Zentrum stellen. Durchgängige Radrouten mit entsprechender Infrastruktur, direkte Fußwegverbindungen ohne Umwege oder verkehrsberuhigte Ortszentren mit Funktionen des täglichen Bedarfs sind hier der Schlüssel zum Erfolg und werden auch im Rahmen der Mobilitätssterne entsprechend honoriert. Dass hier noch Potenzial vorhanden ist, geht aus der vom Land Tirol durchgeführten Mobilitätserhebung 2022 hervor. Knapp die Hälfte der ausgewerteten Alltagswege in der Erhebung sind kürzer als drei Kilometer. Diese Wege wären vielfach für den Umstieg vom Auto auf aktive Mobilität wie Gehen oder Radfahren geeignet. Immerhin 48 Prozent der Wege werden laut Studienergebnis bereits mit sanften Mobilitätsformen zurückgelegt – eine erfreuliche Steigerung um 5 Prozentpunkte seit der letzten Erhebung.
Auf der Suche nach den Highlights nachhaltiger Mobilitätsprojekte stechen besonders jene Gemeinden hervor, die mit vier Mobilitätssternen ausgezeichnet wurden. In der Landeshauptstadt Innsbruck zeigt sich dies vor allem im stark genutzten Bikesharing-System Stadtrad Innsbruck, das aus dem Stadtbild längst nicht mehr wegzudenken ist. Prutz überzeugt seit Jahren mit einer klugen Verknüpfung von Radverkehr und öffentlichem Verkehr: Die Lage an der Via Claudia Augusta sowie die gute Anbindung an den Direktbus Landeck–Mals machen sichtbar, wie Alltags- und Freizeitmobilität ineinandergreifen können.
Erstmals mit vier Sternen ausgezeichnet wurde die Stadtgemeinde Reutte. Die neu verordnete Fahrradstraße im Lärchenweg und der konsequente Ausbau direkter Fußwegverbindungen zeigen, wie stark hier auf aktive Mobilität gesetzt wird. In Virgen steht nachhaltige Mobilität schon seit Langem im Zentrum kommunaler Entscheidungen. Das neue Energieleitbild der Klima- und Energie-Modell-Region Sonnenregion Hohe Tauern verankert – kombiniert mit gezieltem Bedarfsverkehr – klimafreundliche Fortbewegung fest im Alltag der Gemeinde. Auch St. Johann in Tirol zeigt, wie konsequente Maßnahmen wirken: Fußgänger- und Begegnungszonen im Zentrum, eine neue direkte Verbindung zwischen Bahnhof und Ortskern sowie E-Busse im Skiverkehr machen deutlich, dass nachhaltige Mobilitätsformen hier im Mittelpunkt stehen.
Ebenso kontinuierlich arbeitet Assling an der nachhaltigen Mobilität: Der neu errichtete Radweg zwischen Thal-Aue und Thal-Römerweg ist ein weiteres Puzzlestück, um die Rahmenbedingungen für nachhaltige Mobilität auch im ländlichen Raum zu stärken. Die Stadtgemeinde Schwaz wiederum widmet sich dem Thema mit langfristiger Perspektive: Mit der vertieften Mobilitätsbearbeitung im Rahmen des Zukunftsbilds Schwaz 2040 und konkreten Radverkehrsplanungen in Schwaz Ost zeigt sich, dass strategische Überlegungen und Umsetzung eng verzahnt sind.
Wie erfolgreich längerfristige Planungen sein können, verdeutlicht auch die Gemeinde Kematen in Tirol, die erstmals vier Sterne erhielt. Ein großer Teil der Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur ist bereits umgesetzt – zuletzt etwa entlang der Bahnhofsstraße, einer wichtigen Achse zwischen Ortszentrum und Bahnhof. Die Marktgemeinde Jenbach überzeugt mit einer besonders dynamischen Entwicklung: Der bedarfsorientierte VVT-RegioFlink stärkt das bestehende Öffi-Angebot, während attraktiv gestaltete Begegnungszonen im Zentrum für mehr Aufenthaltsqualität und spürbare Verkehrsberuhigung sorgen.
Abgerundet wird die Reihe der 4-Stern-Gemeinden durch die Osttiroler Bezirksstadt Lienz, wo ein umfassendes Fußverkehrskonzept sowie mehrere daraus hervorgegangene Maßnahmen – darunter großflächige Begegnungszonen mit baulicher Neugestaltung – die Weichen für eine klimafitte Stadtentwicklung stellen.
Die Tiroler Mobilitätssterne werden seit 2009 alle zwei Jahre auf Basis eines ausführlichen Kriterienkatalogs vergeben. Jede Gemeinde kann mit bis zu fünf Mobilitätssternen ausgezeichnet werden. Die Auszeichnung ist eine Initiative im Rahmen des Mobilitätsprogramms Tirol mobil, in dem sich das Land Tirol in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Schulen und Betrieben den Ausbau umweltfreundlicher Verkehrsangebote zum Ziel gesetzt hat. Die Organisation des Auszeichnungsverfahrens und die Betreuung der Gemeinden liegt bei der Energieagentur Tirol. Die Projektumsetzung erfolgt in Kooperation mit dem Klimabündnis Tirol.