Ende November fand das e5-Netzwerktreffen als Jahresabschluss im e5-Programm statt. Wie bereits im Vorjahr nahm auch heuer Energielandesrat Josef Geisler teil und stellte sich beim Kamingespräch den Fragen des e5-Netzwerks.
Am Podium diskutierten Energielandesrat Josef Geisler und Rupert Ebenbichler. Geschäftsführer der Energieagentur Tirol, über die Rolle der Gemeinde als Baubehörde, die Energieeffizienzrichtlinie (EEDIII) und den weiteren Photovoltaikausbau.
Besonders an dem Format war der frei gelassene Platz am Podium, den jede*r aus dem Publikum einnehmen konnte, um sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Von dieser Möglichkeit wurde in der engagierten Runde mehrfach Gebrauch gemacht. Das große Interesse verdeutlichte die gemeinsame Ausrichtung im e5-Programm und die starke Motivation, die aus den e5-Gemeinden selbst kommt.
Beim Umgang mit Neubau und Sanierung stehen e5-Gemeinden zunehmend vor der Frage, wie sie ihre Rolle als Baubehörde bestmöglich wahrnehmen können. Aus den Rückmeldungen der Gemeinden zeigen sich mehrere zentrale Punkte:
Im Neubaubereich gelten die eingereichten und umgesetzten Projekte mit Blick auf die kommende OIB-Richtlinie 6 als zukunftsfit. Sowohl in der Energieeffizienz als auch in der Nutzung erneuerbarer Energieträger. Im Gebäudebestand bestätigen sich Energiesparpotenziale von 50 bis 75 Prozent, deren Ausschöpfung stark von verfügbaren Förderungen abhängt. Besonders die Tiroler Wohnhaussanierung, die neue Bundes-Sanierungsoffensive und eine qualitätsvolle Energieberatung gelten aus Gemeindesicht als entscheidende Hebel für hochwertige Sanierungen.
Ebenfalls betont wird die Bedeutung verlässlicher Daten zu bestehenden Heizsystemen. Die Tiroler Heizanlagendatenbank wird dafür als zentrale Grundlage gesehen, die nun mit Unterstützung von Prüfberechtigten und Gemeinden weiter aufgebaut wird.
Die Energieeffizienzrichtlinie (EED III) gilt als wichtiger rechtlicher Fahrplan, um den eigenen Gebäudebestand strategisch und langfristig energetisch fit zu machen. Bis zum 11. Oktober 2025 mussten die Gemeinden ein Gebäudeinventar veröffentlichen, dass nun die Basis für den Sanierungsfahrplan darstellt. So können Renovierungen bis 2040 nach technischen und nutzungsseitigen Kriterien priorisiert und eine fundierte Investitionsplanung durchgeführt werden.
Als Alternative zur Renovierungspflicht können bis 2030 energiesparende Einzelmaßnahmen gesetzt werden – etwa die Optimierung der Warmwasseraufbereitung oder die Umstellung auf LED-Beleuchtung. Gleichzeitig zeigen Rückmeldungen aus den Gemeinden, dass die Energieeffizienzrichtlinie (EEDIII) komplex ist und Landesvorgaben teilweise noch offen sind. Daher braucht es klare Anleitung, regionale Ansätze sowie praxistaugliche Vorlagen und Unterstützungsangebote der Energieagentur Tirol. Hilfreich sind außerdem Fördermöglichkeiten, wie etwa der Tiroler Energiefonds.
Aus Sicht vieler e5-Gemeinden zeigt sich: Der Photovoltaik-Ausbau in Tirol ist auf einem guten Weg. Allein 2024 wurden rund 780.000 m² Modulfläche installiert, was einer installierten Leistung von etwa 550 Megawatt-Peak (MWp) entspricht und genügend Strom für ca. 153.000 Haushalte liefert. Und mehrere e5-Gemeinden haben den Zielwert 2030 von 2 Kilowatt-Peak (kWp) pro Einwohner*in bereits erreicht. Gleichzeitig bleibt klar, dass Gemeinden mit eigenen Gebäuden eine Vorbildrolle einnehmen und deren Dachflächen konsequent nutzen müssen.
Weiteres Potenzial zum Ausbau bieten großflächige Dächer von Industrie, Handel und Gewerbe. Hier liegt es an den Gemeinden, aktiv zu werden und die lokalen Betriebe anzusprechen. Bereits viel genutzt werden erneuerbare Energiegemeinschaften, die die wirtschaftliche Umsetzung von PV-Anlagen durchaus erleichtern.
Einen Wunsch haben die anwesenden e5-Vertreter*innen zum Schluss: Für den Ausbau Richtung 2050-Zielwert braucht es einen systematischen Netzausbau. Gleichzeitig sollte das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) netzdienliche Nutzung fördern, ohne den Ausbau erneuerbarer Energien zu bremsen.